ZoomIn Location Scouting — Graz

Suche nach potenziellen Grundstücken

Wir legen unseren Forschungsfokus nicht auf reine Einfamilienhaus-siedlungen, sondern auf die Gebiete der „ungeplanten“ Vorstadtregionen, u.a. auch als Peripherie, peri-urbane Zonen und / oder Zwischenstadt (Sieverts, 1997) bezeichnet. Diese verstädterten fragmentierten und hybriden Landschaften charakterisieren Siedlungsformen „in denen Einfamilienhaussiedlungen direkt an landwirtschaftliche Flächen angrenzen, wo Autohäuser, Shoppingcenter und Reiterhöfe in unmittelbarer Nachbarschaft von kleinen Wäldchen liegen, durchschnitten von Autobahnen und Bahntrassen, die von Schallschutzwänden gesäumt sind, wo man nicht sagen kann wo die eine Stadt oder Ortschaft aufhört und die andere anfängt.“ (Vicenzotti, 2011, S.15)

Die heterogenen Zonen (Sieverts 2005, Hauser 2006), die mit der Zeit in die Großstädte integriert werden und derzeit vermehrt zu Stadtregionen (ÖROK, 2015) zusammengefasst werden, sind im akademischen und planerischen Kontext kontroversiell diskutiert. Diese Diskursgeschichte wurde von Vera Vicenzotti in ihrer Publikation der „Zwischenstadt-Diskurs: Eine Analyse zwischen Wildnis, Kulturlandschaft und Stadt“ (2011) aufgearbeitet. Sie ordnet die existierenden vielzähligen Betrachtungsweisen der Zwischenstadt in drei weltanschauliche Ordnungsmuster von Gegnern, Euphorikerin und Qualifizierern ein. In einem solchen Raster agiert Intensified Density auf der Ebene der Qualifizierer: „Die Grundhaltung der Qualifizierer bewertet die Suburbanisierungsprozesse und die Realität der verstädterten Landschaft positiv. Sie stellt aber trotz dieser grundsätzlichen Anerkennung Defizite fest, besonders bezogen auf Möglichkeiten und Bedingungen der Urbanität und Lebensqualität […]“ (Vicenzotti, 2011, S.87)

Stadtplan Graz mit Route

Routen durch die Stadt Graz

Ausgewählte Projektgebiete werden im Rahmen des Forschungsprojektes Intensified Density mit quantitativen und qualitativen Methoden untersucht und evaluiert. Die räumliche Analysen der potenziellen Gebiete, des soziokulturellen Umfeldes, des Bestandes und der konkreten vorhandenen Bedürfnisse an den spezifischen ausgewählten Orten, erfolgen mittels Erhebung der Qualitäten, Infrastruktur, Gebäude, Bestandsaufnahme, etc., teilweise vor Ort. Demographischen Daten und empirische Forschungen, u.a. aus der Studie der  Lebensqualitätsindikatoren der Stadt Graz, fließen ebenfalls in die Analyse mit ein.

Daraus werden allgemeine Kriterien der Nachverdichtung, zur Nutzung freier Flächen innerhalb einer bereits bestehenden Bebauung, generiert bzw.räumliche und soziale Nachverdichtungspotenziale analysiert. Dabei werden potenzielle Standorte bzw. Grundstücke, vorwiegend Restgrundstücke oder brachliegendes Bauland in Vorstädten / Zwischenstädten / Peripherien, erfasst, die für die Fragestellungen innerhalb des Forschungsprojektes relevant sind.
Topographisch bedingt durch die Beckenlage von Graz verlagert sich die „Zwischenstadt“ bzw. der „periurbane Raum“ Richtung Süden ins offene Grazer-Leibnitzer-Feld. Im Norden beschränkt sich dieses Gebiet topographisch durch die Murenge auf die Einfahrtsstraßen Weinzöttlstraße und Wiener Straße.

Stadtplan von Graz mit Konzept von PLUREL, 6. EU Rahmenprogramm (2007-11)

Stadtplan von Graz nach dem Konzept von PLUREL, 6. EU Rahmenprogramm (2007-11)

Bis Mitte des 19 Jh. waren die Vororte von Graz, die sogenannten Murvorstädte, wie Geidorf um die Leechkirche und Guntarn-Hof bei der Leonhardkirche, Jakomini um Jakominiplatz, St. Leonhard, Gries um Griesplatz und Lend um Lendplatz, durchaus baulich ländlich bzw. dörflich geprägt. Die dörfliche Baustruktur ist bis heute in den Katastralgemeinden von Graz bzw. in den 1938 nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten eingemeindeten Bezirken  Liebenau, St. Peter, Waltendorf, Ries, Maria Trost, Andritz, Gösting, Eggenberg, Wetzelsdorf und Straßgang ablesbar.

Planausschnitt mit Route Andritz

Plan mit Route durch Andritz

Planausschnitt mit Route Lend und Gösting

Plan mit Route durch Lend und Gösting

Planausschnitt mit Route Gries und Lend

Plan mit Route durch Gries und Lend

Planausschnitt mit Route Wetzelsdorf

Plan mit Route durch Wetzelsdorf

Planausschnitt mit Route Jakomini, St. Leonhard und Waltendorf

Plan mit Route durch Jakomini, St. Leonhard und Waltendorf

Planausschnitt mit Route Puntigam und Strassgang

Plan mit Route durch Puntigam und Strassgang

Planausschnitt mit Route Liebenau

Plan mit Route durch Liebenau

Planlegende

Die Grundstückssuche im Stadtraum Graz erfolgt durch Substraktion bzw. Eingrenzung des für uns in Frage kommenden Betrachtungsgebietes am Stadtplan. In Folge wurden anhand sieben Routen bzw. mehrfachen Begehungen, durch unterschiedliche Stadtteile, Grundstücke gesucht, nach ihren Potenzialen untersucht und kategorisiert in Restflächen, Baulücken, Brachen, versiegelten Flächen, bebaute und nachverdichtbare Flächen. Daraus generiert sich zudem ein Überblick über vorhandene oder aktivierbare Flächenpotenziale im beforschten Gebiet.

Die ausgewählten Gebiete wurden planlich mit vorhandener Infrastruktur (Zentren, Arzt / Apotheke, Bildung-, Religion-, Einkauf-, sozialen Einrichtungen, Nahversorgung Lebensmittel) überlagert und analysiert. Dabei wurden je Route ca 1-4 Grundstücke für die weitere vertiefende Betrachtung, je nach vorhandenen Potenzial entsprechend unserer Kritierenfestlegung, ausgewählt.

Foto von Pinwand mit Bildern von Grundstücken

Work in Progress

Ausschlaggebend bei der Grundstückswahl war ein in der unmittelbaren Umgebung ausgewiesenes Zentrum oder Zentrumspotenzial im Gebiet, alle für den Alltag notwendigen Infrastruktureinrichtungen, wie öffentliche Verkehrsanbindung, Apotheke, Arzt, Lebensmittelgeschäft, Bildungseinrichtung, etc. sollte fuß- oder radäufig erreichbar bzw. vorhanden sein. Das Umgebungsgebiet sollte heterogen sein und eine Mischnutzung mit Wohnen aufweisen — kein reines Wohn-/ Gewerbe- oder Industriegebiet — und damit unterschiedliches soziales bzw. ökonomisches Potenzial zur gemeinsamen Nutzung z.B. von Industrie- bzw. Gewerbeabwärme, etc. ermöglichen. Des weiteren sollte das Grundstück infrastrukturell (Strom, Wasser, Kanal, etc.) bereits aufgeschlossen sein. Zudem sollte das Grundstück eine Brache bzw. Restfläche sein die bereits versiegelte Flächen (PKW-Abstellflächen, Altbau, etc.) aufweist und nicht größer als max. 3000 m² sein. Grundstücke die aufstockbare Gebäude, wie Garagen, etc., aufweisen oder Baulücken sind, haben zwar ein großes Potenzial, werden aber für unser Forschungsprojekt in diesem ersten Schritt nicht herangezogen.

Die Stadt Graz verfügt derzeit über ausreichend versiegelte Flächen die nachverdichtet werden könnten ohne neue Grünflächen aufzuschliessen.

In dieser Untersuchung / Feldforschung zeigte sich, dass die Stadt über ausreichend versiegelte Flächen, wie asphaltierte PKW-Abstellflächen (keine 24/7 Nutzung), ein- oder zwei geschossige Gebäude (u.a. Garagen), welche aufgestockt werden könnten, etc.  verfügt. Damit gibt es für eine Nachverdichtung ausreichend Potenzial, sodass keine bestehenden Grünflächen neu versiegelt werden müssten. Graz hat Handlungsbedarf bei der Sicherung von Grünraum in weiten Teilen des Stadtraumes. Zahlreiche Mühlgänge oder Bachläufe durchziehen die Stadt die auch einen positiven Faktor im Punkto Lebensqualität bieten könnten, derzeit aber ungepflegt und damit unattraktiv sind und dringend, auch im Hinblick auf den Klimawandel und den stetig steigenden Temperaturen in der Stadt, revitalisiert gehörten. Weiters sind große als Bauland gewidmete Flächen vorhanden. Umso weiter Richtung Stadtrand umso größer werden diese Flächen und umso weiter Richtung Stadtrand umso weniger Baulücken sind vorhanden. Größtenteils sind offene Bebauung vorherrschend die ungeordnet bzw. ungeplant wirken und einen städtebaulichen Handlungsbedarf zeigen.

 

Hauser, Susanne. 2006. Ästhetik der Agglomeration. Zwischenstadt, Band 8. Wuppertal: Müller + Busmann.

Lebensqualitätsindikatoren-Modell Graz (LQI-Modell)

Nilsson Kjell, Pauleit Stephan, Bell Simon, Aalbers Carmen, Sick Nielsen Thomas, Hg. (2013). Peri-urban futures: Scenarios and models for land use change in Europe. Berlin: Springer.

Sieverts, Thomas. 1997. Zwischenstadt: zwischen Ort und Welt, Raum und Zeit, Stadt und Land. Braunschweig: Vieweg.

Sieverts, Thomas und Forschungsprojekt „Mitten am Rand–Zwischenstadt. Zur Qualifizierung der verstädterten Landschaft. 2005. Zwischenstadt
– inzwischen Stadt?: Entdecken, Begreifen, Verändern. Wuppertal: Müller + Busmann.

Vicenzotti, Vera. 2011. Der „Zwischenstadt“-Diskurs: Eine Analyse zwischen Wildnis, Kulturlandschaft und Stadt. Bielefeld: transcript.

ÖROK. 2015. Stadtregionen. Stand 18.12.2015

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