Side Facts Exerzierplatzstraße

Städtebauliche Entwurfsanalyse

Analog zum ersten ausgewählten Grundstück in der Fabrikgasse wurde auch für dieses Grundstück im Bezirk Gösting eine städtebauliche Analyse durchgeführt. Auch hier wurden die Erkenntnisse aus der Analyse im gesamten Forschungsteam diskutiert und daraus folgend eine Reihe von Entwurfsregeln definiert.

Regel: Keine weitere Notwendigkeit neue PKW-Flächen aufzuschließen – keine Tiefgarage.

Das Gebiet rund um das ausgewählte Grundstück wird durch die Wiener Straße und die Bahntrasse eingeschlossen. Vor allem die höhergelegte Bahntrasse stellt nicht nur eine optische Barriere dar. Grundsätzlich ist aufgrund der vorherrschenden Einfamilienhausbebauung die Bestandsdichte im Quartier geringer und der Grünanteil höher. Der oberirdische Anteil an PKW-Abstellflächen ist stark begrenz – öffentliche PKW-Abstellflächen gibt es kaum. Der Interspar verfügt über größere unter- und oberirdische Parkflächen die hauptsächlich zu Werkzeiten ausgelastet sind und deren Flächenpotenzial durch Verbesserung der Bewirtschaftung optimiert werden könnten. Der Autoverkehr dominiert in der Gestaltung des Straßenbildes. In den Schwarzplänen zeigt sich, dass es keine öffentlichen zusammenhängenden Grünflächen zur Naherholung für sportliche Aktivitäten oder Kinderspielplätze gibt. Es fehlen ausgewiesene Fuß- und Radwegverbindungen vor allem auf die andere Seite der Bahntrasse. Das städtebauliche Prinzip der kurzen Wege bleibt weitgehend uneingelöst.

Lageplan Grundstück Exerzierplatzstraße

Lageplan

Schwarzplan Grundstück Exerzierplatzstraße

Schwarzplan

Plan unversiegelte (Grün-)Fläche

unversiegelte (Grün-)Flächen

Schwarzplan Grundstück Exerzierplatzstraße

versiegelte Flächen

Plan mit PKW-Abstellflächen

PKW-Abstellflächen

Plan mit Nutzungen in der Umgebung des Grundstücks Exerzierplatzstraße

Bestandsnutzung

Plan mit Eigentümer der Umgebung des Grundstückes

Eigentümerverhältnisse

Regel: Nicht zu hoch bauen.

Im heterogenen Betrachtungsgebiet finden sich Einfamilienhäuser, Wohntürme aus den 1960er und 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts, Mehrgeschoßwohnbau aus jüngerer Zeit, sowie Gewerbebauten und Einkaufszentrum (Interspar) Ende des 20. Jahrhunderts. In der Höhenentwicklung und in der Dichte dominieren im Betrachtungsgebiet vor allem die Wohntürme östlich und westlich des Grundstücks. Eine Neubebauung sollte daher zwischen den unterschiedlichen Maßstäben vermitteln.

Plan mit Höhenentwicklung Gebäude

Höhenentwicklung der Gebäude

Plan mit Bestandsdichte in der Umgebung des Grundstückes

Bestandsdichte

Regel: Schaffung eines Zentrums.

Vor allem in einem heterogenen Gebiet, wie hier vorhanden, erscheint es wichtig für die bestehenden fragmentierten Wohnquartiere ein verbindendes Zentrum zu schaffen, das auch das Quartier jenseits der Bahngleise mit einbindet und die Qualität der Fahrrad- und fußläufigen Verbindungen stärkt und damit auch die autobezogene Nahversorgung (Interspar) besser erschließt.

Tabelle die Handlungsbedarf im Gebiet zeigt anhand der Studie Lebensqualitätsindikatoren Stadt Graz 2013

Handlungsbedarf im Quartier auf Basis der Studie Lebensqualitätsindikatoren (LQI 2013) der Stadt Graz

Aus dem „Lebensqualitätsindikatoren-Modell“ (LQI-Modell, 2013), einer flächendeckenden städtebaulichen, demographischen und gesellschaftlichen Erhebung der Stadt Graz, bestehend aus objektiven Informationen und subjektiven Meinungserhebungen aus der Bevölkerung, ergibt sich für unser Planungsgebiet Gösting 13-1 ein großer Handlungsbedarf im Bereich Lebenserhaltungskosten, gefolgt von Arbeitsplatzsituation, Zusammenleben, Gesundheitsvorsorgeservice sowie im Bereich Erholung und Freizeit. Die Wohnsituation und damit zusammenhängend die Zufriedenheit im Stadtteil zu leben befindet sich im gesamten Bezirk Gösting mit 90,3% im unteren Drittel im Vergleich zu anderen Bezirken. Rund 40% der Bevölkerung im fraglichen Teilgebiet möchte wegziehen. Städtebaulich wäre eine Verbesserung der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, der Arbeitsplätze, Erholungs-, Sport- und Grünraum, sowie die Anbindung im Quartier per Fuß-, Rad- und Öffentliche Verkehrsmittel wünschenswert vor allem zum Quartier jenseits der Bahngleise. Konkret für die Planung unseres Entwurfes bedeutet dies, dass die Themen Nachbarschaft, Integration, Qualität des öffentlichen Raumes, aber auch leistbares Wohnen und Schaffen von möglichen Arbeitsräumen zu beachten sind. Generell werden trotz hohem Anteil an Gewerbe entlang der Wiener Straße fehlende Arbeitsplätze im Gebiet kritisiert.

Regel: Heterogenität ist gewünscht.

Folgende mögliche Nutzungen bzw. neu zu schaffende Arbeitsplätze im Planungsgebiet lassen sich aus der Befragung des LQI-Modells ableiten: Ärzteordinationen, Beratungs- und Betreuungszentrum, Altenhilfe bzw. Einrichtung für Hauskrankenpflege und Betreutes Wohnen, sowie Pflege- und Seniorenheim, Einrichtung für Erwachsenenbildung, des weiteren ein räumliches Angebot für Vereine und Aktivitäten, Einrichtung eines Bauernmarkt (ev. Bauernladen), Einrichtungen von Einsatzkräften (Rettung, Polizei, Feuerwehr). Außerdem ist ein Mangel an barrierefreien Wohnungen und an Angeboten sowie Erreichbarkeit von Naherholungs- und Sportgebieten zu erkennen.

Digitaler Atlas der Steiermark

Entwicklungsplan 4.0 STEK der Landeshauptstadt Graz

Katasterplan, Flächenwidmungsplan 2002 Graz, etc.

Lebensqualitätsindikatoren-Modell (LQI-mOdell Graz)

Räumliches Leitbild zu STEK 3.0

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Grundstück Exerzierplatzstraße