Grundstück Fabriksgasse

Ein ausgewähltes Grundstück zur Überprüfung unserer Forschungsfrage

Während vorgefertigte, modulare und standardisierte Bauweisen üblicherweise unabhängig von ihrer späteren Umgebung geplant werden, will das Forschungsprojekt Intensified Density den architektonischen Entwurfsprozess in den Mittelpunkt stellen und diesen vergleichend an mehreren konkreter Grundstücke planerisch erproben.

Damit soll eine praxisbezogene Forschung im Bereich der Architketur initiiert werden, die einerseits eine Verschränkung der Disziplinen mit der Planungsebene anstrebt und andererseits den Planungsprozess der Architektur in die Forschung überführt. Architekturprojekte entstehen in einem interdisziplinären vernetzten Prozess verschiedenster und vielfältiger Einflussfaktoren. Problemstellungen in Planungsprozessen bewegen sich in einem weiten Spannungsfeld zwischen räumlichen, funktionalen und gestalterischen Aspekten, die mit vorherrschenden gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen in Einklang gebracht werden müssen, um deren  Potentiale aktivieren und weiterentwickeln können. Daher soll in einem konkreten Entwurf, in Kooperation mit einem interdisziplinären und internationalen Forschungsteam, externen ExpertInnen, sowie unter Einbindung des Projektes  in die Lehre, unter Anwendung architektonischer Entwurfs-, und Analysemethoden nach realisierbaren Lösungsansätzen gesucht werden.

Das Projekt Intensified Density soll Möglichkeiten aufzeigen, brachliegendes Bauland zu aktivieren und zu Visionen für kontextuell verankerte, zukunftsweisende dichtere kleinmaßstäbliche Wohnformen inspirieren.

Das erste unseren Forschungskriterien (vorhandene Infrastruktur, etc.) entsprechende ausgewählte Grundstück ist eines der brachliegenden Grundstücke, die auf Rundgängen durch die Grazer Randgebiete vorgefunden wurden. Es liegt im Bezirk Gries direkt an der Einfahrt zum City Park, einem zentrumsnahen Shopping Center am Lazarettgürtel. Das längsrechteckige Grundstück wird durch eine Durchfahrt bzw. über den Hinterhof einer gründerzeitlichen Blockrandbebauung in der Fabriksgasse erschlossen und wird derzeit als PKW-Abstellfläche, vorwiegend für die angrenzende Bäckerei genutzt. An der Westseite wird die Parzelle derzeit durch einen Zaun vom Areal Citypark mit der Zufahrtsstraße über die Fabriksgasse abgetrennt.

Foto von Grundstück bei der Einfahrt Citypark Fabrikgasse

Einfahrt Citypark Fabrikgasse

ausgewähltes Grundstück Citypark Fabriksgasse

versiegelte Fläche | Baulandwidmung KG+WA Kerngebiet + Wohnen Allg. | Dichte 0,8 – 2,0 | Grundstücksgröße 4393 m² + 758 m² | Paz.Nr. 1398/2, 1411 | KG Nr. 63105 | EZ 1096, 727 | Bezirk Gries | Grundstück versiegelt (Asphalt, Schotter) | Schutzzone nein, Sanierungsgebiet Lärm | Baugrundpreise 150-270 €/m² und Mietwohnungspreise 8,00-10,80 €/m²

Lageplan mit Luftbild vom Grundstück Fabrikgasse Einfahrt Citypark

Ausschnitt Route Gries und Lend - Grundstück Einfahrt Citypark Fabrikgasse

Das Grundstück liegt städtebaulich betrachtet an der Schnittstelle einer gewachsenen historischen Dorfstruktur (Karlauerplatz), wo sich im 19. Jahrhundert entlang des Mühlgangs erste Gewerbe- und Industriebetriebe ansiedelte haben, einem Wohngebiet vorwiegend bestehend aus Einfamilienhäusern und Wohntürmen (Schlafstadt), sowie neuzeitlichen Gewerbebauten und einem Shoppingcenter die vorwiegend auf den Autoverkehr ausgelegt sind (autogerechte Stadt). Das Gebiet ist mit öffentlichen Verkehrseinrichtungen (Bus) erschlossen und an die Innenstadt von Graz angebunden. Städtebaulich ist hier im kleinen Maßstab das Prinzip der funktionalen Stadt durch funktionale Trennung der Wohn- und Arbeitsquartiere umgesetzt (Charta von Athen 1933, dt. Übersetzung 1962).

Plan mit Umgebung Grundstück Fabrikgasse Einfahrt Citypark mit städtebaulicher Analyse Zonierung

Städtebauliche Analyse

Plan mit Umgebung Grundstück Fabrikgasse Einfahrt Citypark mit städtebaulicher Analyse und Nutzungsidee

Nutzungsüberlegungen

Die niedrige dörfliche Bebauung der Gewerbeobjekte und Wohnbauten trifft auf eine urbane Dichte von Wohntürmen (vertikale Stadt) und ein überdimensioniertes Konglomerat von Baukörpern des Shoppingcenters.

 

Fotocollage mit Abwicklung Ansicht Fabriksgasse Südseite

Straßenansicht

Straßenansicht Fabrikgasse mit Citypark

Straßenansicht

Fotocollage mit Abwicklung Ansicht Karlauerstrasse Westseite

Straßenansicht

Fotocollage mit Abwicklung Ansicht Karlauerstrasse Ostseite

Straßenansicht

Fotocollage mit Abwicklung Ansicht Mühlgang Nordseite

Straßenansicht

Angelehnt an die Untersuchung Learning from Las Vegas (1968) von Venturi/Scott Brown/Izenour gehen wir der Frage nach, was von einem scheinbar ungeplanten Ort im peri-urbanen Kontext gelernt werden kann. Trotz der offenkundigen Ausrichtung des Shopping Centers mit angeschlossenem Parkhaus und der benachbarten Tankstelle auf (überregionalen) Autoverkehr, wurde das Gebiet fußläufig erkundet. Als erster Schritt wurden daher im Zuge einer Feldforschung auf den ersten Blick banal wirkende Details mit der Kamera dokumentiert und frei nach Venturi/Scott Brown/Izenour kategorisiert.

Umgebungsanalyse

Umgebungsanalyse - Elements

Umgebungsanalyse

Umgebungsanalyse - Elements

Hilpert, Thilo (Hg.) (1988): Le Corbusiers „Charta von Athen“ Texte und Dokumente. Kritische Neuausgabe. Bauwelt Fundamente 56. 2. Aufl. Viewg & Sohn. Braunschweig / Wiesbaden.

Izenour, S., Venturi, R. Scott Brown, D. (2001). Lernen von Las Vegas : Zur Ikonographie und Architektursymbolik der Geschäftsstadt (2. Aufl., 1., unveränd. Nachdr. ed.). Basel [u.a.]: Birkhäuser.

 

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Get together 29.03.2017