Side Facts Fabriksgasse

Städtebauliche Entwurfsanalyse

Parallel zur Feldforschung wurde entsprechend der städtebaulichen Praxis recherchiert und Informationen (Planmaterial, Studien, etc.) gesammelt, analysiert und für den Entwurfsprozess aufbereitet. Aufgrund der Analyse und im Rahmen der Diskussion im Forschungsteam ergaben sich die ersten Entwurfsparameter bzw. entwurfsspezifischen Festlegungen, die in Form von Entwurfsregeln definiert wurden.

Regel: Keine weitere Notwendigkeit neue PKW-Flächen aufzuschließen – keine Tiefgarage.

Das Gebiet rund um das ausgewählte Grundstück beim Citypark weist einen hohen Versiegelungsgrad durch Bebauung und asphaltierte Flächen (Straßen, PKW-Abstellflächen) auf. Zudem gibt es aufgrund des Shoppingcenter einen hohen Anteil an PKW-Abstellflächen (Parkhäuser) im Quartier, die nicht 24/7 Stunden ausgelastet sind und deren Flächenpotenzial durch Verbesserung der Bewirtschaftung optimiert werden könnten. In den Schwarzplänen zeigt sich daher deutlich der Mangel an zusammenhängenden Grünflächen. Es überwiegen Restflächen, wie Verkehrsinseln, und Park- Kinderspiel- und Sportanlagen fehlen. Der Autoverkehr dominiert deutlich die Gestaltung des Straßenbildes. Dies zeigt sich vor allem darin, dass der Zubringerverkehr zum Shoppingcenter Citypark nur für den PKW-Verkehr ausgelegt wurde, und ausgewiesene Fuß- und Radwegverbindungen fehlen. Das städtebauliche Prinzip der kurzen Wege blieb unberücksichtigt.

Lageplan Grundstück Fabrikgasse Einfahrt Citypark

Lageplan

Schwarzplan Grundstück Einfahrt Citypark Fabrikgasse

Schwarzplan

Plan unversiegelte (Grün-)Fläche

unversiegelte (Grün-)Flächen

Plan der versiegelten Fläche

versiegelte Flächen

PKW-Abstellfläche

PKW-Abstellflächen

Plan mit Nutzungen

Bestandsnutzungen

Plan mit Eigentümer der Umgebung des Grundstückes

Eigentümerverhältnisse

Regel: Nicht zu hoch bauen.

Die vorhandene Dichte am Grundstück repräsentiert jeweils einen bestimmten zeitlichen historischen Abschnitt der jeweiligen städtebaulichen Wertvorstellung. Im heterogenen Betrachtungsgebiet finden sich u.a. Reste biedermeierlicher Dorfstrukturen, Teile einer Blockrandbebauung des 19. Jahrhunderts, Wohntürme aus den 1960er und 1970er Jahren des 20. Jahrhunderts, sowie Gewerbebauten und Einkaufszentrum Ende des 20. Jahrhunderts.

In der Steiermark ist die Dichte laut Bebauungsdichteverordnung mit 2,5 begrenzt. Vorgaben zur Dichte unterscheiden sich je nach Größe der Stadt bzw. Bundesland. Dabei werden innerhalb von Österreich auch unterschiedliche Berechnungsmodelle herangezogen: so wird z.B. in Salzburg die Geschoßflächenzahl berechnet, während in der Steiermark nur die Wandstärke bis zu 30 cm für die Bruttogeschossfläche berücksichtigt wird. In Wien wird keine Dichte berechnet, sondern die max. Gebäudehöhe vorgegeben. Des Weiteren ist die Dichte immer eine Frage der Maßstäblichkeit, so wird in Graz mit 280.000 Einwohner grundsätzlich mit wesentlich weniger Geschossen gebaut als z.B. in Wien mit 2. Mio. Einwohner.

In der Höhenentwicklung und in der Dichte dominiert im Betrachtungsgebiet der Citypark sowie einzelne Wohntürme südlich des Grundstücks. Eine Neubebauung sollte daher zwischen den unterschiedlichen Maßstäben vermitteln.

Plan mit Höhenentwicklung Gebäude

Höhenentwicklung der Gebäude

Plan mit Bestandsdichte in der Umgebung des Grundstückes

Bestandsdichte

Regel: Max. 7-8 Wohneinheiten gemeinsam erschließen für eine bessere Nachbarschaft.

Vor allem in einem heterogenen Gebiet, wie hier vorhanden, erscheint es wichtig die bestehenden fragmentierten Wohnquartiere zu stärken. Hier können vor allem kleinere Strukturen wie Zusammenschlüsse von Wohneinheiten, Gemeinschaftsräume, u.ä. unterstützend wirken. Nachbarschaften und Quartiere funktionieren aufgrund bestimmter territorialer Strukturelemente (Zonierungen, Übersichtlichkeit, Infrastruktur) oft vor allem in übersichtlichen Größen und Einheiten, wie erstmals 1961 von Jane Jacobs unter dem Begriff „Defensible Space“ beschrieben und 1972 von Oscar Newmann weiter ausgearbeitet wurde.

Tabelle die Handlungsbedarf im Gebiet zeigt anhand der Studie Lebensqualitätsindikatoren Stadt Graz 2013

Handlungsbedarf im Quartier auf Basis der Studie Lebensqualitätsindikatoren (LQI 2013) der Stadt Graz

Die Stadt Graz erhebt seit 2006 mittlerweile flächendeckend ein Rauminformationssystem, das „Lebensqualitätsindikatoren-Modell“ (LQI-Modell Graz). Dieses ist online anrufbar und informiert über städtebauliche,  demographische und gesellschaftliche Situationen auf Basis von regelmäßig erhobenen objektiven Daten und subjektiven Meinungserhebungen aus der Bevölkerung. Daraus kann man für kleinere Gebiete in den Bezirken (hier Gries 05-3) den Handlungsbedarf nach Zufriedenheit und Wichtigkeit für elf Indikatorengruppen abfragen. Daraus ergibt sich für unser Planungsgebiet ein großer Handlungsbedarf im Bereich Sicherheit, Umweltqualität und Lebenserhaltungskosten und ein mäßiger im Bereich Wohnbau-, Arbeitsplatzsituation und Zusammenleben. Die Wohnsituation und damit zusammenhängend die Zufriedenheit im Stadtteil zu leben ist im Bezirk Gries mit 75% am geringsten in ganz Graz. Zum Vergleich ist im benachbarten Bezirk Lend die Wohnzufriedenheit mit 80,5% deutlich höher. So will in Gries nur ein Drittel der Bevölkerung im Bezirk wohnhaft bleiben. Auch die Höhe der Mietkosten und das mangelnde Arbeitsplatzangebot im Bezirk wird kritisiert. Städtebaulich wäre eine Verbesserung der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, der Arbeitsplätze, Erholungs-, Sport- und Grünraum, sowie die Anbindung im Quartier für Fuß, Rad und Öffentliche Verkehrsmittel wünschenswert. Konkret für die Planung unseres Entwurfes bedeutet dies, dass die Themen Nachbarschaft, Integration, Qualität des öffentlichen Raumes,  aber auch leistbares Wohnen und Schaffung möglicher Arbeitsräume zu beachten ist. Generell werden trotz Nähe zum Citypark fehlende Arbeitsplätze im Gebiet kritisiert.

Regel: Heterogenität ist gewünscht.

Folgende mögliche Nutzungen bzw. neu zu schaffende Arbeitsplätze im Planungsgebiet lassen sich aus der Befragung des LQI-Modells ableiten: Einrichtung eines Bauernmarkt (ev. Bauernladen), Einrichtung für Erwachsenenbildung, Einrichtungen von Einsatzkräften (Rettung, Polizei, Feuerwehr), Ärzteordinationen, Angebot für kulturelle Veranstaltungen (Theater, Kino, Konzerte, etc.) und Gastronomie. Des weiteren ist ein Mangel an barrierefreien Wohnungen und ein Mangel an Angeboten sowie Erreichbarkeit von Naherholungs- und Sportgebieten ersichtlich.

Jacobs, Jane (1966). Tod und Leben großer amerikanischer Städte. Bauwelt Fundamente. Bd.4. Ullstein, Berlin.

Newmen, Oscar (1972). Defensible space: crime prevention through urban design. Macmillan, New York.

Digitaler Atlas der Steiermark

Entwicklungsplan 4.0 STEK der Landeshauptstadt Graz

Katasterplan, Flächenwidmungsplan 2002 Graz, etc.

Lebensqualitätsindikatoren-Modell (LQI-mOdell Graz)

Räumliches Leitbild zu STEK 3.0

→ Next Project

Grundstück Fabriksgasse