Design Parameter Grundstück Exerzierplatzstraße

Städtebauliche Entwurfsanalyse

Analog zum ersten ausgewählten Grundstück in der Fabrikgasse wurde auch für dieses Grundstück im Bezirk Gösting eine städtebauliche Analyse durchgeführt. Auch hier wurden die Erkenntnisse aus der Analyse im gesamten Forschungsteam diskutiert und daraus folgend eine Reihe von Entwurfsregeln definiert.

Bei der historischen Analyse des Planungsgebietes stellte sich heraus, dass bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das Gebiet unbebaut war und erst Ende des 19. Jahrhunderts eine erste vereinzelte Bebauung mit Villen, Zinshäusern und einer Fabrik im Gebiet hinter dem jetzigen Interspar am Mühlgang erfolgte. Dementsprechend ist keine schützenswerte oder identitätsstiftende Architektur vorhanden.

Bilder von historischen Bestandsgebäuden in der Umgebung vom Grundstück Exerzierplatzstraße

historische Bestandsgebäude in der Umgebung des ausgewählten Grundstückes

Das Betrachtungsgebiet rund um das gewählte Grundstück in der Exerzierplatzstraße liegt unmittelbar neben der wichtigsten nördlichen Stadtein- bzw. Stadtausfallsstraße, der sogenannten Wiener Straße. Dementsprechend finden sich entlang des Straßenverlaufs vorwiegend Gewerbegebäude, aber auch reine Wohnbebauung in Form von Einfamilienhäusern. Nachdem die Exerzierplatzstraße eine wichtige Verbindung zu dem hinter dem Bahndamm liegenden historischen Ortskern des Bezirks Gösting darstellt, ist auch an diesem Standort die Verbindung von Wohnen und Arbeiten im Sinne der „gemischten bzw. produktiven Stadt“ (vgl. Europan 14, 2017) ein Thema.

bestehende Nutzungen

Keine weitere Notwendigkeit neue PKW-Flächen aufzuschließen – keine Tiefgarage.

Das Gebiet rund um das ausgewählte Grundstück wird durch die Wiener Straße und die Bahntrasse eingeschlossen. Vor allem die höhergelegene Bahntrasse stellt nicht nur eine optische Barriere dar. Grundsätzlich ist aufgrund der vorherrschenden Einfamilienhausbebauung die Bestandsdichte im Quartier geringer und der Grünanteil höher. Der oberirdische Anteil an PKW-Abstellflächen ist stark begrenzt – öffentliche PKW-Abstellflächen gibt es kaum. Der Interspar verfügt über größere unter- und oberirdische Parkflächen, die hauptsächlich zu Werkzeiten ausgelastet sind und deren Flächenpotenzial durch Verbesserung der Bewirtschaftung optimiert werden könnte. Der Autoverkehr dominiert die Gestaltung des Straßenbildes. In den Schwarzplänen zeigt sich, dass es keine öffentlichen zusammenhängenden Grünflächen zur Naherholung für sportliche Aktivitäten oder Kinderspielplätze gibt. Es fehlen ausgewiesene Fuß- und Radwegverbindungen, vor allem auf die andere Seite der Bahntrasse. Das städtebauliche Prinzip der kurzen Wege bleibt weitgehend unerfüllt.

Öffentliche grünräumliche und fuß- sowie radläufige Verbindungen über das Grundstück schaffen.

Analog zum Grundstück in der Fabrikgasse ist im Planungsgebiet die mangelnde fuß- und radläufige Durchwegung bzw. Verbindungen und die damit einhergehende Bevorzugung des Autoverkehrs auffällig. Im direkten Vergleich gibt es zwar mehr Grünraum, bedingt durch die Einfamilienhausbebauung, allerdings gibt es keine öffentlich zugänglichen Grünräume mit Aufenthaltsqualität. Es ist zwar Begleitgrün entlang des Bahndamms teilweise vorhanden, allerdings ohne Wegeführung. Daher soll beides in den folgenden Entwürfen Berücksichtigung finden.

Erweiterung und Verbindung der offenen Grünfläche

Nicht zu hoch bauen.

Im heterogenen Betrachtungsgebiet finden sich Einfamilienhäuser, Wohntürme aus den 1960er und 1970er Jahre des 20. Jahrhunderts, Mehrgeschoßwohnbau aus jüngerer Zeit sowie Gewerbebauten und ein Supermarkt (Interspar), die gegen Ende des 20. Jahrhunderts errichtet wurden. In der Höhenentwicklung und in der Dichte dominieren im Betrachtungsgebiet vor allem die Wohntürme östlich und westlich des Grundstücks. Eine Neubebauung sollte daher zwischen den unterschiedlichen Maßstäben vermitteln.

Schaffung eines Zentrums.

Vor allem in einem heterogenen Gebiet, wie hier vorhanden, erscheint es wichtig für die bestehenden fragmentierten Wohnquartiere ein verbindendes Zentrum zu schaffen. Dieses sollte auch das Quartier jenseits der Bahngleise miteinbinden und die Qualität der rad- und fußläufigen Verbindungen stärken und so auch die autobezogene Nahversorgung (Interspar) besser erschließen.

Heterogenität ist gewünscht.

Aus dem „Lebensqualitätsindikatoren-Modell“ (LQI-Modell, 2013), einer flächendeckenden städtebaulichen, demographischen und gesellschaftlichen Erhebung der Stadt Graz, bestehend aus objektiven Informationen und subjektiven Meinungserhebungen aus der Bevölkerung, ergibt sich für das Planungsgebiet Gösting 13-1 ein großer Handlungsbedarf im Bereich Lebenserhaltungskosten, gefolgt von Arbeitsplatzsituation, Zusammenleben, Gesundheitsvorsorgeservice sowie im Bereich Erholung und Freizeit. Die positive Bewertung der Wohnsituation und damit zusammenhängend die Zufriedenheit, im Stadtteil zu leben, liegt im gesamten Bezirk Gösting bei 90,3 % und damit im unteren Drittel im Vergleich zu anderen Bezirken. Rund 40 % der Bevölkerung im fraglichen Teilgebiet möchte wegziehen. Städtebaulich wäre eine Verbesserung der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, der Arbeitsplätze, Erholungs-, Sport- und Grünraum sowie die Durchwegung im als auch die Anbindung ans Quartier zu Fuß, mit dem Rad und öffentlichen Verkehrsmitteln wünschenswert – vor allem zum Quartier jenseits der Bahngleise. Konkret bedeutet dies für die Planung des Entwurfs, dass die Themen Nachbarschaft, Integration, Qualität des öffentlichen Raumes, aber auch leistbares Wohnen und Schaffen von möglichen Arbeitsräumen zu beachten sind. Generell werden trotz hohem Gewerbeanteil entlang der Wiener Straße fehlende Arbeitsplätze im Gebiet kritisiert.

Bundesdenkmalamt

Digitaler Atlas der Steiermark

Entwicklungsplan 4.0 STEK der Landeshauptstadt Graz

Ecker, Dietrich. 2. Aufl. 1992. Architektur in Graz 1980-1990. Anhang 32 Bauten 1952-1979. Graz: Verlag Droschl.

Europan 14, 2017

Graz Wiki

Flächenwidmungsplan 3.0 2002 Graz

Katasterplan, Verkehrslärmkataster, Radkarte

Lebensqualitätsindikatoren-Modell Graz (LQI-Modell)

Räumliches Leitbild zu STEK 3.0

Stadt Bauwelt. Die Produktive Stadt, Wie Wohnen, Gewerbe und Industrie 4.0 zusammenfinden können, Nr. 211, 35.2016, 23.09.2016.

Szyszkowitz, Michael / Ilsinger, Renate / Haus der Architektur (Hg.) (2009): Graz_Architecture, 3. Aufl. Graz: Haus der Architektur.

 

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Side Facts Exerzierplatzstraße